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Geschichte Orgeln Glocken Bau und Unterhalt
Das Berner Münster ist das Hauptwerk der schweizerischen Spätgotik. Mit den meisten mittelalterlichen Kirchenbauten, besonders der Gotik, hat das Berner Münster seine ausgeprägte städtebauliche Wirkung gemeinsam. Als markanter Akzent verköpert es im Stadtbild wie kein anderer Bau in Bern das Selbstverständnis des stolzen mittelalterlichen Gemeinwesens.
Der Berner Grundriss kann als Reduktionsform bezeichent werden: die dreischiffige Basilika verzichtet auf Chorumggang und Querhaus; das Kreuz von Langhaus und Querhaus fällt als symbolische Form weg. Kapellen, die in anderen Kirchen dem Bau hinzugefügt wurden, sind in Bern zwischen den Strebepfeilern in den Gesamtraum integriert. Noch deutlicher wird dieser Integrationsgedanke am Chor. Dieser ist nicht einfach an das Langhaus angefügt, sondern zwischen die Seitenschiffe eingeschoben und so in den Gesamtbau inkorporiert. Die Turmhalle war ursprünglich, d.h. vor den Verstärkungen des 19. Jahrhunderts, ebenfalls inkorporiert und kann als westlichster Teil des Langhauses verstanden werden. Durchblicke zwischen den einzelnen Teilräumen unterstützen die einheitliche Gesamtwirkung des Innenraums. Städtebauliche Wirkung
(Foto: Mth Lauper)
Diese Integration der Teilräume in den Gesamtraum ist nicht nur im Grundriss, sondern auch mit Detailformen angestrebt worden. Die diagonal gestellten Pfeiler beispielsweise oder auch die späten Gewölbe von Erhart Küng, Peter Pfister und Daniel Heintz erzeugen Raumverschleifungen, die die klare Abgrenzung einzelner Joche aufheben und benachbarte Raumkompartimente fliessend ineinander übergehen lassen.
Die gewaltigen Bauvolumen hochgotischer Kathedralen erfuhren durch Strebewerk und reiche Bauplastik eine starke Entstofflichung. Am spätgotischen Berner Münster treten Wand und Volumen wieder fassbarer in Erscheinung. Am Turmviereck zum Beispiel finden wir eine Bauplastik, die weniger überspielt als vielmehr schmückt und gliedert. In der Hochgotik war die Realisierung grösstmöglicher Höhe bei gleichzeitigem maximalem Lichteinfall eines der Hauptziele, was eine gewisse Verselbstädigung der Technik zur Folge hatte.
In Bern werden die Errungenschaften der gotischen Skelettbautechnik zwar angewendet, aber in den Dienst der architektonischen Gesamtform gestellt: anstelle schwindelnden Aufstrebens und intensiven Lichts werden in Bern massvolle Proportionen und mit den Chorfenstern eine fast bühnenhafte Beleuchtung gesucht. In den hochgotischen Bauten wandert der Blick ungehindert durch Mittelschiff, Vierung und Chor und wird im Osten erst am Chorumgang aufgefangen. In Bern hingegen staffelt der markante Triumphbogen die Abfolge von Langhaus, Chor und Sanktuarium. Die funktionale Trennung von Laienraum und Chor, ursprünglich vom eingebauten Lettner akzentuiert, wird auch im architektonischen Gesamtzusammenhang nachvollzogen.
Gotische Bauplastik
(Foto: Mth Lauper)
Auch im Aufriss der Wände von Mittelschiff und Chorhaus sind Reduktion und Vereinfachung zum Prinzip erhoben. Die klassische französische Gotik schichtet drei Zonen aufeinander: Arkaden, Triforium (Umgang auf Höhe der Seitenschiffdächer) und Obergaden. In Bern finden wir nur zwei Zonen: Arkaden und Hochschiffwand. Die Fläche der Wand wird in der Hochgotik durchbrochen und überspielt: in Bern beherrscht sie die gesamte Zone von den Arkaden bis hinauf zum Gewölbeansatz. So sparen in Bern die Fenster und Blenden nicht die grösstmöglichen Öffnungen im tragenden Skelett aus, sondern sie sind sorgfältig bemessen, gliedernd und proportionierend in die Wand eingesetzt.

(aus: Machs na, ein Führer durchs Berner Münster, von Christoph Schläppi und Bernard Schlup)
Das Münster in Zahlen
     
Kirche   Länge:
86.72 m
    Breite
37.55 m
    Höhe
20.70 m
Turm   Höhe
101.00 m
  Arkaden und Hochschiff
(Foto: Andreas Brechbühl)